Armenien und seine Bewohner wurden erstmals in den hethitischen Keilschriften
aus 1388 bis 1347 vor Chr. erwähnt. Im 9. Jh. vor Chr. schlossen sich die armenischen Stämme
zu dem in der Bibel erwähnten Staat Urartu zusammen. Bis zu seinem Ende im 6. Jh. vor Chr.
hatte dieser Staat eine herausragende Kultur entwickelt, die sich auf assyrische Techniken der
Bewässerung, der Baukunst und der Verteidigung gründete.
Mit der Ernennung Tiridates I. im Jahre 53/54 nach Chr. begann die Dynastie der Arsakiden,
in deren Epoche zwei in der Geschichte Armeniens bedeute Ereignisse fielen:
- Im Jahre 301 n. Chr. wurde das Christentum zur Staatsreligion in Armenien mit Gregor („der Erleuchter„) als ersten Patriarchen des Landes und Katholikos aller Armenier. Etschmiadsin - unweit von
Eriwan - wurde sein Amtssitz und ist noch heute ein religiösen Zentrum der Armenisch Apostolischen Kirche.
- Im Jahre 405 n. Chr. erfolgte die Setzung des armenischen Alphabetes durch den Gelehrten Mesrop Maschtoz. Hieran schloß sich das „Goldene Zeitalter„ der armenischen Literatur mit einer regen Übersetzungstätigkeit theologischer und philosophischer Schriften (u. a. Übersetzung der Bibel ins Armenische) an.
639/640 n. Chr. fielen arabische Truppen in Armenien ein, unter deren Herrschaft das Land bis zum 9. Jh. n. Chr. verblieb. Abgelöst wurde die arabische Herrschaft durch die Dynastie der Bagratiden, durch die das Land seine Unabhängigkeit wiedererlangte. Armenien blühte als Handelszentrum auf - Kunst, Handwerk und Architektur erfuhren eine bedeutende Fortentwicklung. Die Gründung der Universitäten Ani, Gladsor und Tatew bildeten
die Grundlage für Bildung und Wissen-schaft.
Im Jahre 1220 kam es zum ersten Einfall mongolischer Reiterheere, in dessen Folge wichtige armenische Orte - u.a. Dvin und Ani (beide unweit von Erwian) - zerstört und erobert wurden. Ungeachtet eines durch den Herrscher des kilikischen Armeniens, Hethums I., erreichten Bündnisses mit den Mongolen (etwa 1253 n. Chr.), erfolgten immer wieder Aufständen gegen die Mongolen. Im Jahre 1307 kam es durch die Ermodung des armenischen Königs Leo III. und 40 armenischer Fürsten durch den mongolischen Feldherrn Bilarghu zum Bruch des
armenisch-mongolischen Bündnisses.
Nachdem das Land im Zeitraum von 1386 bis 1403 bereits unter den verheerenden Feldzügen des Timur gelitten hatte, folgten mit dem 15. und 16. Jahrhundert zwei weitere schwere Jahrhunderte für Armenien und seine Bevölkerung. Im Rahmen extensiver kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Persien und dem Osmanischen Reich kam es zu schweren Verwüstungen armenischer Städte; Hundert-tausende Armenier wurden zwangsumgesiedelt. Der Friedensschluß von Konstantinopel im Jahre 1639 beendete die persisch-osmanischen Auseinandersetzungen. Mit diesem Vertrag ging Westarmenien an die Türkei und Ostarmenien an Persien. Infolge des russisch-persischen Krieges (1826 bis 1828) wurde Ostarmenien an das Russische Reich angeschlossen.
Die armenische Bevölkerung in Westarmenien hatte unter der Herr-schaft der Osmanischen Türkei schwere Diskriminierungen zu erleiden. Zum Ende des 19. und zum Beginn des 20. Jahrhunderts erreichten die Repressionen ihren Höhepunkt. So erfolgte im Zeitraum von 1894 bis 1897 auf Veranlassung von Abdul Hamid ein erstes Massaker an der armenische Bevölkerung innerhalb des Osmanischen Reiches, dem zwischen 200.000 - 300.000 Menschen zum Opfer fielen. An den Genozid im Zeitraum 1915 bis 1916, dessen Beginn mit der Verhaftung armenischer Intellektueller am 24. April 1915 festgemacht wird, wird noch heute mit einem nationalen Gedenktag am 24. April eines jeden Jahres erinnert.
1933 hat der Schriftsteller Franz Werfel den Abwehrkampf von 5000 Armeniern gegen die Jungtürken (am Berg Moses südlich des Golfes von Alexandrette, dem Musa Dagh im Jahre 1915) in einer großen Romane des 20. Jahrhunderts festgehalten („Die vierzig Tage des Musa Dagh")
Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zusammenbruch des Russischen Reiches erklärte sich Ostarmenien am 28. Mai 1918 zur unabhängigen Republik Armenien. Am 29. November 1920 erfolgte die Machtübernahme durch die Sowjets. Von 1922 bis 1936 wurde Armenien zusammen mit Aserbaidschan und Georgien in die „Trans-kaukasische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik" gezwungen. 1936 wurde Armenien zu einer der 15 Republiken der Sowjetunion.
Nach Demonstrationen der armenischen Bevölkerung zu ökologische Problemen und zur Frage von Nagorny Karabach im Verlauf des Jahres 1988, entsandte Moskau Truppen nach Eriwan, um die politische Ordnung zu sichern. Die Verhaftung von Mitgliedern des Karabach-Komitees führte zu weiteren Protesten der Bevölkerung, so daß die Gefangenen im Frühjahr 1989 wieder freigelassen wurden. Seit der formalen Unabhängigkeitserklärung, die durch ein Referendum am
21. September 1991 erfolgte, wird dieser Tag alljährlich als Nationalfeiertag begangen.
Quelle: www.deutsch-armenische-gesellschaft.de